Glossar
Der Probelauf ist das kontrollierte Einfahren einer Spindel nach der Instandsetzung. Die Drehzahl wird stufenweise gesteigert, während Temperatur, Schwingung und Leistungsaufnahme überwacht werden, bis die Spindel im gesamten Drehzahlbereich stabil läuft.
Der Probelauf ist der letzte Schritt nach der Instandsetzung einer Werkzeug- oder Motorspindel. Bevor eine reparierte Spindel ausgeliefert und wieder in die Maschine eingebaut wird, muss sie unter kontrollierten Bedingungen laufen. Beim Probelauf wird die Spindel stufenweise hochgefahren und in jedem Drehzahlfenster so lange gehalten, bis sich die Werte stabilisiert haben.
Ziel ist der Nachweis, dass die Spindel über den gesamten Drehzahlbereich sauber läuft: ohne unzulässige Erwärmung, ohne auffällige Schwingungen und mit einer Leistungsaufnahme, die zur Bauart passt.
Nach einem Lagertausch sind die neuen Lager noch nicht eingelaufen. Schmierfett ist frisch eingebracht und muss sich auf den Laufbahnen verteilen. Die Lagervorspannung stellt sich erst unter Betriebstemperatur auf ihren endgültigen Wert ein. Ein direkter Start auf Maximaldrehzahl würde diese Einlaufphase überspringen und kann zu thermischer Überlastung führen.
Der Probelauf deckt außerdem Montagefehler auf, die in Ruhe nicht sichtbar sind: eine zu hohe Vorspannung zeigt sich als überproportionaler Temperaturanstieg, eine Restunwucht als drehzahlabhängige Schwingung, ein Fehler in der Lageranordnung als unruhiger Lauf.
Während des Probelaufs werden in jeder Drehzahlstufe mehrere Größen erfasst:
Bei modernen Elektrospindeln kommen die Daten oft direkt aus der Spindelsensorik. Bei einfacheren Bauarten werden Temperatur und Schwingung extern aufgenommen.
Das Einfahren erfolgt in Schritten. Die Spindel wird auf eine erste Drehzahlstufe gebracht und dort gehalten, bis die Temperatur stabil ist. Erst dann folgt die nächste Stufe. Dieses Vorgehen gibt dem Lagerfett Zeit, sich zu verteilen, und lässt die Vorspannung sich thermisch einstellen. Je höher der Zieldrehzahlbereich, desto wichtiger und länger ist diese Einlaufprozedur.
Die Messwerte aus dem Probelauf fließen in das Abnahmeprotokoll ein. Erst wenn die Spindel im gesamten Drehzahlbereich stabile Temperaturen, zulässige Schwingungswerte und einen einwandfreien Rundlauf zeigt, gilt die Instandsetzung als abgeschlossen. Der dokumentierte Probelauf ist damit der nachvollziehbare Nachweis, dass die Spindelüberholung den geforderten Zustand erreicht hat.
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