Glossar

Presspassung

Eine Presspassung ist eine Übermaßpassung, bei der die Bohrung kleiner ist als der Wellendurchmesser. Spindellager werden so mit definiertem Pressitz auf der Welle oder im Gehäuse fixiert, damit die Lagerringe unter Last nicht wandern und der Rundlauf erhalten bleibt.

Was ist eine Presspassung?

Eine Presspassung, auch Pressitz oder Übermaßpassung genannt, ist eine Passung, bei der das Innenmaß kleiner ist als das Außenmaß des Gegenstücks. Bei Spindellagern bedeutet das: Der Wellendurchmesser ist geringfügig größer als die Lagerbohrung, oder die Gehäusebohrung ist geringfügig kleiner als der Lageraußendurchmesser. Beim Fügen entsteht eine feste Verbindung, die das Lager ohne zusätzliche Klemmung an seinem Sitz hält.

Das Übermaß liegt im Mikrometerbereich und wird über Toleranzfelder nach ISO definiert. Welches Toleranzfeld zum Einsatz kommt, hängt von Lagertyp, Drehzahl, Lastrichtung und Bauart der Spindel ab.

Warum Spindellager mit Pressitz montiert werden

Der entscheidende Grund ist die Lastrichtung. Der Lagerring, der eine Umfangslast trägt, muss fest auf seinem Sitz sitzen. Bei einer typischen Werkzeugspindel rotiert die Welle, der Innenring trägt also Umfangslast und wird mit Pressitz auf die Welle gefügt. Säße er lose, würde er unter Last langsam auf der Welle wandern. Dieses Wandern erzeugt Reibrost, Materialabtrag und am Ende Rundlauffehler.

Der Außenring, der oft eine Punktlast trägt, sitzt dagegen häufig mit leichterer Passung im Gehäuse, damit er sich bei Wärmedehnung axial ausgleichen kann. Die richtige Kombination aus festem und losem Lagerring ist Teil der konstruktiven Auslegung der Spindellagerung.

Presspassung und Lagerspiel

Die Presspassung wirkt direkt auf das Lagerspiel. Wird ein Lagerinnenring auf eine Welle gepresst, weitet sich der Ring minimal auf. Dadurch verringert sich das radiale Spiel im eingebauten Zustand gegenüber dem Spiel des losen Lagers. Bei der Auslegung wird dieser Effekt eingerechnet: Lagerluft, Passung und Lagervorspannung ergeben zusammen das gewünschte Betriebsspiel.

Eine falsch gewählte Passung verschiebt dieses Gleichgewicht. Zu viel Übermaß nimmt zu viel Spiel weg und verspannt das Lager. Zu wenig Übermaß lässt den Ring wandern. Beides verkürzt die Lebensdauer.

Bedeutung beim Lagertausch

Beim Lagertausch ist die Passung ein kritischer Punkt. Welle und Gehäusesitze müssen vermessen werden, bevor neue Lager montiert werden. Sind die Sitze durch eine frühere Spindeldemontage oder durch Reibkorrosion beschädigt, stimmt die Passung nicht mehr und muss durch Nacharbeit oder Beschichtung wiederhergestellt werden.

Wird ein neues Lager auf einen verschlissenen Sitz gefügt, fehlt der definierte Pressitz. Das Ergebnis ist ein wandernder Ring, vorzeitiger Verschleiß und ein erneuter Schaden. Deshalb gehört die Kontrolle der Passung zu jeder fachgerechten Spindellager-Reparatur.

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