Glossar
Die Montagevorspannung ist die Vorspannung, die den Spindellagern beim Zusammenbau gezielt aufgeprägt wird. Sie nimmt das Lagerspiel weg und legt die Lagerkräfte fest, sodass die Spindel die geforderte Steifigkeit und Laufruhe erreicht.
Spindellager werden nicht spielfrei eingebaut und sich selbst überlassen, sondern unter eine definierte Vorspannung gesetzt. Die Montagevorspannung ist genau dieser Wert: die Vorspannung, die den Lagern beim Zusammenbau der Spindel aufgeprägt wird. Sie drückt die Wälzkörper gegen ihre Laufbahnen, nimmt das verbleibende Spiel weg und legt fest, wie steif und ruhig die Spindel später läuft.
Ohne ausreichende Vorspannung bleibt Restspiel im Lager. Die Spindel verliert an Steifigkeit, der Rundlauf leidet, und unter Schnittkraft verlagert sich die Achse. Mit zu hoher Vorspannung steigen Reibung und Wärme, das Lager überhitzt und verschleißt vorzeitig. Die Montagevorspannung ist deshalb ein eng tolerierter Auslegungswert, kein Erfahrungswert nach Gefühl.
Die Vorspannung wird beim Zusammenbau auf eine von mehreren Arten erzeugt:
Welches Verfahren zum Einsatz kommt, gibt die Konstruktion der Spindel vor. Beim Wiederaufbau nach einer Reparatur muss exakt das Verfahren und der Wert der ursprünglichen Auslegung getroffen werden.
Die Montagevorspannung steht nicht für sich. Sie wirkt zusammen mit der Presspassung und dem ursprünglichen Lagerspiel. Der Pressitz weitet den Innenring auf und reduziert bereits das Spiel, die Vorspannung nimmt den Rest weg und erzeugt die gewünschte Lagerkraft. Diese drei Größen müssen rechnerisch zusammenpassen, sonst stimmt das Betriebsspiel nicht.
Unter Betriebstemperatur ändert sich der eingestellte Wert: Welle und Gehäuse dehnen sich unterschiedlich, die Vorspannung kann steigen oder fallen. Deshalb wird die Montagevorspannung so gewählt, dass sich im Betrieb der richtige Wert einstellt, nicht im kalten Zustand.
Beim Lagertausch ist die korrekte Montagevorspannung der heikelste Punkt. Sie ist der allgemeinen Lagervorspannung im Betrieb vorgelagert: Wird sie falsch eingestellt, läuft die Spindel von Anfang an außerhalb der Auslegung. Eine zu niedrige Vorspannung kostet Steifigkeit und Bearbeitungsqualität, eine zu hohe zerstört die neuen Lager innerhalb kurzer Zeit. Das Einstellen der Vorspannung mit vermessenen Bauteilen und kontrolliertem Probelauf gehört deshalb zum Kern jeder fachgerechten Spindellager-Reparatur.
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